Mein "etwas anderer" Lebenslauf:

1. Teil

Die ersten 30 Jahre

Kindheit, Essstörungen. Augenkrankheit. Schule: Angst vor allem und jedem, besonders vor anderen Kindern. Man ruft mich: Brillenschlange, Bohnenstange. Ich versuche immer wieder zu glauben, dass jemand mich mag. Ich werde ausgelacht. Das schmerzt. Ich verkrieche mich in mir selbst und lasse keinen mehr an mich heran. ich verkrieche mich in meinen Schutzwald.

Mein Ziel: Erwachsenwerden, möglichst schnell, da wird vielleicht alles anders. Dann: Auf die Menschheit losgelassen: Pflichten schwer zu erfüllen als Studentin, Lehrerin, Ehefrau, Mutter, Tochter. Mein Ziel: Es allen recht machen. Wie geht das? Es bleiben nur Versuche. Doch die unternehme ich täglich aufs Neue. Das Lachen anderer gilt sicher mir? Es ist gewiss nichts anderes als ein Auslachen!

Weitere Versuche, an mich zu glauben, Trauer zu verdrängen, Ängste zu überwinden, den Tod unserer kleinen Tochter zu verstehen und zu akzeptieren, Tinnitus zu überhören, Krankheiten zu ignorieren, es allen recht zu machen. Wenn ich das alles perfekt beherrsche, mag man mich vielleicht eher? Schlimm: Ich kann kein Lob annehmen. Man will mich sicher nur wieder auslachen.

 

2. Teil

Die nächsten 20 Jahre

Weitere krampfhafte Versuche, perfekt zu sein als Mutter, Ehefrau, Lehrerin, Tochter, Großmutter. Weitere Versuche, Trauerarbeit nicht zu leisten, sie zu verdrängen, auf meine ureigensten Wünsche nicht zu hören. Es fällt immer schwerer, hart zu bleiben, die Tränen zurückzuhalten. Vielleicht sollte ich es "geschehen" lassen?

Erste kleine Erfolge im Geschehenlassen durch Bachblüten. Die Tränen fließen endlich. Psychotherapie wird von mir angenommen, ich rede über meine Ängste. Ich versuche, mich zu ändern. Aus meiner Haut kann ich aber nicht heraus. Ich müsste lernen, mich anzunehmen, so, wie ich bin. Das gelingt mir nicht. Tinnitus muss eine Bedeutung haben für mich, nur welche?

 

3.Teil

Aufwachen

Ich bin aufgewacht, ich sehe um mich. Ich lasse Trauer und Freude endlich zu. Ich bin etwas wert. Ich glaube an mich. Ich kann mich im Spiegel ansehen, ich gefalle mir, keine Brillenschlange, Bohnenstange mehr?

Tinnitus- mein Helfer, kein Feind mehr. Ich höre auf die Geräusche und deute sie für meinen Weg. Ich kann jetzt endlich Gefühle zulassen.

Ich denke positiv. Ich habe wieder Freude am Beruf. Ich bin offener in der Partnerschaft. Ich melde meine persönlichen Bedürfnisse an.

Ich sage "Nein", wenn mir etwas nicht passt. Ich kann endlich auch laut werden!! Ich male, ich schreibe, ich bin... ich glaube an mich!

Ich freue mich über jeden neuen Tag und nehme seine Herausforderungen an.

 

4. Teil

Im Hier und jetzt

Ich bin jetzt 70 Jahre alt und schon lange nicht mehr im Schuldienst. Ich war gerne Lehrerin und vielleicht ist das auch der Grund, dass ich auch heute noch gerne mit schwachen Schülern übe. Es macht mir Freude, ihnen zu helfen.

Ich habe nun 6 Enkel. Ich liebe meine Familie. Ich helfe gern, aber ich bin keine selbstlose Oma, die nur für ihre Enkel da ist. Denn ich lebe jetzt erst aus Überzeugung mein unruhiges Leben- wenn auch spät. Doch nicht zu spät. Meine Bücher erzählen davon.

Ich glaube, dass ich noch eine Reihe von Jahren vor mir habe. Doch wie es kommen wird, das weiß niemand...

 

 

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