Untermieter Tinnitus-gehasst-geduldet-angenommen 1. Leseprobe . Seite 8: "Mehr als ein Vorwort"

In der Klinik im Saarland...
Die Musik, unter deren positivem Einfluss ich  bei der  Audiokommunikation  stand, zeigte bei mir anfangs eine verheerende Wirkung. Sie brachte etwas zustande, wozu ein anderes Medium wahrscheinlich längere Zeit benötigt hätte...
Bei dieser ersten Audiokommunikationssitzung öffneten sich meine Tränenschleusen, die lange von mir zugestopft worden waren, wie von selbst. Die " Morgenstimmung" von Edward Grieg war der Auslöser dafür.
Man sollte nach dem Anhören der Musik über seine aufkommenden Gefühle sprechen. Es schien allen anderen Patienten überhaupt nichts auszumachen.  Und wie stand es mit mir? Einer nach dem anderen kam an die Reihe. Noch drei, noch zwei, noch einer vor mir. Ich spürte, dass da etwas aus mir herauswollte, ohne auf meine Zustimmung  warten zu wollen. Nein, das musste ich verhindern. Mit allen Mitteln. Aufstehen und das Zimmer verlassen? Meine Beine gehorchten mir nicht. Ich schien wie durch eine imaginäre Gewalt auf meinem Stuhl fest gebannt zu sein. Also andere Variante. Oft genug hatte ich sie erfolgreich angewendet. Wenn die Tränen wieder einmal ungerufen kommen wollten, versetzte ich mich stets künstlich in eine Art Faschingsstimmung. Ich reimte dann sogar: " Regina singt, Regina lacht, die Tränen haben keine Macht!"
Doch es nützte diesmal nichts, rein gar nichts. Nichts war mehr mit Fasching, denn das Mass der ungeweinten Tränen war endgültig  voll.
Ich weinte und weinte und konnte vor diesen fremden Menschen nicht mehr aufhören zu weinen. Schrecklich fand ich das. Kein einziges Wort bekam ich über die Lippen. Oder doch, mühsam quälten sich drei Worte aus meinem Mund: " Ich kann nicht!" hießen sie.  Nun, ich musste auch nicht können. Ich durfte nach der Therapie weiterweinen....

 

 

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