Mein Lebensbaum 2

 

Drei Jahre waren vergangen, seit ich den Lebensbaum Eins gemalt hatte. Nun wollte ich sehen, wie der zweite aussah. Zuerst einmal: Keine Ölfarben! Die wirkten in gewissem  Sinn starr.  Man konnte bei dieser Technik immer wieder etwas übermalen. Doch ich wollte das Leben so nehmen, wie es kam. Also sollte auch bei meinem  Baum nichts vertuscht werden.

In dieser Zeit beschäftigte ich mich mit den 7 Chakren, den Energiebahnen des Menschen. So wählte ich die entsprechende Farbfolge aus: Rot für das Wurzelchakra bis hin zum Violett des Kronenchakras. Die interessante Aufgabe, die mich beim Malen erwartete, bestand darin, dass Aquarellfarben ein schnelles und spontanes Arbeiten voraussetzten.

Trotzdem sollte der Lebensbaum aber als mein Baum erkannt werden. Während des Malens bemerkte ich mit Freude, dass mein Blick für Schatten, Licht, Perspektive, Räumlichkeit sich verändert hatte. Endlich sah ich, was mir oft verborgen geblieben war. Dem Rot des Wurzelchakras gab ich etwas mehr Raum als den anderen Farben. Doch alle verschmolzen harmonisch miteinander. Denn alle mussten vertreten sein, jede war wichtig.

Mein Baum hat viel Laub und ist etwas nach links geneigt. Ich war als Kind Linkshänder und musste umlernen. Wegen meiner Ungeschicklichkeit  wurde ich oft verspottet. Linkdatsche nannte man mich. Und ich schämte mich dafür. Nun aber nehme ich mich an, so wie ich bin.
Erstmalig gebe ich auf dem Bild mehr von mir, von meinen Wurzeln preis. Er, der Tinnitus, freut sich darüber.

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